Korczaks "Pädagogik
der Liebe"
Von
Julia Grewatsch

Korczaks "Pädagogik der Liebe" war keine naiv-
romantische Träumerei, sondern erfüllt
von "[...] Rührung und Sorge, Zorn und Eifer,
Hoffnung und Resignation und der immerwährenden
Bemühung, die ihm Anvertrauten ohne Illusionen
zu lieben - bis zum bitteren Ende." (BIEWEND, 1974,
S.8)
1. Sehende Liebe
Korczaks Liebe zu den Kindern wurde niemals sentimental
oder besitzergreifend. Sie beschreibt eher das mühevolle
Hinsehen auf die individuellen Bedürfnisse der
Kleinen. Korczak
verurteilte Erzieher, deren Liebe zu den Kindern
erdrückend und schädlich wurde, weil sie
zwischen Illusion und Realität nicht unterscheiden
konnten.
2. Lieben ohne Erwartung von Gegenliebe
Janusz Korczak liebte seine Kleinen vorbehaltlos
und nahm sich besonders der unbequemen, frechen und
ausgestoßenen Kinder an. Es kam ihm weniger
auf die Gegenliebe seiner Schützlinge an, wenn
er sagte: "Es muss so sein, dass jene Kinder dich
am meisten in Anspruch nehmen und deine Nähe
suchen, die nicht die hochwertigsten sind." (KORCZAK,
1967, S. 172)
3. Hoffende Liebe
Genauso, wie Korczak als Arzt an die Genesung seiner
Patienten glaubte, hörte er als Erzieher nicht
auf, an die Veränderung von schwierigen und
schwer erziehbaren Kindern zu glauben. Er trat seinen
Sorgenkindern mit einer unerschütterlichen,
optimistischen Grundhaltung entgegen, die es niemals
zuließ, auch nur eines der Kinder aufzugeben.
4. Illusionslose Liebe
Die Liebe Korczaks zu seinen Kindern zeigte sich
besonders darin, dass er die im Kinde liegenden Grenzen
und die Grenzen der pädagogischen Einflussnahme
nicht aus den Augen verlor. Diese Art zu lieben schützt
den Erzieher vor Hoffnungslosigkeit, Selbstüberschätzung
und pädagogischem Perfektionismus.
5. Nähe zum Kind
Die Liebe gegenüber seinen Schützlingen
wurde bei Korczak nicht nur auf geistiger und seelischer
Ebene, sondern auch auf der körperlichen sichtbar.
Er ließ die Kinder sehr nah an sich herankommen.
Sie spielten oft auf seinem Schoß, streichelten
seine Glatze und zählten seine Zähne.
6. Treue und Hingabe
Zur Liebe gehört immer auch Treue und Hingabe.
Korczak blieb bis in den Tod hinein bei seinen Kindern
und hätte uns somit wohl kaum einen größeren
Liebesbeweis bringen können.
7. Zulassen der eigenen Kindlichkeit
Korczak erhielt sich bis zum Schluss die Fähigkeit,
wie ein Kind zu fühlen, zu denken und zu handeln.
So konnte er den Kleinen auf emotionaler Ebene sehr
nahe sein. Korczak tobte mit den Kindern durch das
Waisenhaus, führte heftige Späße
an und nahm gerne an Streichen teil.
8. Verstehen und Verzeihen
Um zu verstehen, muss der Erzieher versuchen, sich
in das Kind hineinzuversetzen. Um zu verzeihen muss
er lernen, in die Entwicklungsfähigkeit des
Menschen zum Guten hin zu vertrauen Korczak trat
seinen Kindern mit dieser Haltung gegenüber
und schon bald begannen die Kleinen, seine Einstellung
vom Vergeben und Verzeihen zu übernehmen und
auf den Umgang untereinander zu übertragen.
9. Konsequenzen zeigen
Zu den Grundlagen für Verhaltensänderungen
und positive Entwicklungen bei Kindern zählt
neben der Grundhaltung des Verstehens und Verzeihens
auch die Haltung des Erziehers, Konsequenzen zu zeigen.
Erziehung sollte freie Spielräume zum Experimentieren
und Ausprobieren gewährleisten, aber auch Orientierung
bei der Regulierung des eigenen Verhaltens bieten.
Dazu muss der Erzieher in der Lage sein, Grenzen
zu setzen und Konsequenzen einzuleiten. Korczak sprach
sich dafür aus, einzugreifen, wenn die Rechte
der Kindergruppe durch Einzelne gefährdet werden.
Bestrafung lehnte er hingegen ab. Statt dessen zog
er es vor, die Freiheit der Kinder angemessen zu "dosieren".
Literatur
BIEWEND, Edith: "Liebe
ohne Illusionen. Leben und Werk des Janusz Korczak." Heilbronn.
1974
KLEIN, Ferdinand: "Janusz
Korczak. Sein Leben für Kinder". Klinkhardt.
Bad Heilbrunn. 1996
KUNZ, Lothar (Hrsg.): "Einführung
in die Korczak- Pädagogik". Beltz Grüne
Reihe. Weinheim und Basel. 1994
KORCZAK, Janusz: "Wie
man ein Kind lieben soll". Göttingen.
1967
KORCZAK, Janusz: "Von
Kindern und anderen Vorbildern". GTB. Gütersloh.
2001
KORCZAK, Janusz: "Verteidigt
die Kinder!". GTB. Gütersloh. 2001
KORCZAK, Janusz: "Das
Recht des Kindes auf Achtung". GTB. Gütersloh.
2001
LIFTON, Betty: "Der
König der Kinder. Das Leben von Janusz Korczak".
Klett- Cotta. Stuttgart. 1990
RADTKE, Uwe: "Janusz
Korczak als Pädagoge. Zum Recht des Kindes
auf Achtung". Marburg. 2000
SCHONIG, Bruno: "Auf
dem Weg zu einer eigenen Pädagogik. Annäherungen
an Janusz Korczak". Schneider Verlag. Hohengehren.
1999
Weitere Literatur
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