[ Home | Impressum | rechtliche Hinweise | Link zu uns | Kontakt ]

 
 über J. Korczak
 Wer war eigentlich
 Janusz Korczak?


 Zeittafel

 Grundlagen der
 Pädagogik


 Pädagogik der
 Liebe


 6 Dimensionen des
 Bildes vom Erzieher


 Zum 50. Todestag

 Kinder und  Erwachsene

 Institutionen
 Literatur
 Termine
 Links
 
 von Janusz Korczak
 Es lebe die
 Pünktlichkeit
 Traurig oder böse?
 
 english Documents
 Rabin in Warshaw
 Korczak and the
 Children
 Literature
 
 Partner
 Shoa.de
 Janusz Korczak
 Schule Freiburg
 Heinrich-Eduard-
 Jacob.de
 

6 Dimensionen des Bildes vom Erzieher

Von Julia Grewatsch

Janusz Korczak

1.  Mit Kindern fühlen

Korczak zufolge sind Mitgefühl und einfühlendes Verstehen die erste und wichtigste Bedingung erzieherischen Handelns. Dem voraus geht die Einsicht in die Andersartigkeit des Kindes. Der Erzieher sollte bemüht sein, das Kind zu verstehen, seine Gedanken und Gefühle nachempfinden und auf die Ängste und Hoffnungen der Kleinen Rücksicht nehmen.

 

2.  Kinder begleiten, statt sie zu bevormunden

Kinder zu begleiten bedeutete für Korczak, in einer dialogischen Beziehung (vgl. Martin Buber) mit seinen Schützlingen zu leben. Das pädagogische Verhältnis wurde somit zu einer Begegnung des jungen Menschen mit einem älteren. Korczak forderte, dem Kind mit Achtung und in Partnerschaft gegenüber zu treten, da es von gleichem Wert und gleicher Würde sei, wie die Erwachsenen.

 

3. Realität nicht beschönigen - aus Fehlern lernen

Korczak stellte fest, dass die Realität mit Kindern oft weit entfernt ist von den Idealen und Wünschen vieler Theoretiker. Der Erzieher muss daher aus seinen Fehlern und von den Kindern lernen - er muss sich selbst erziehen.

 

4.  Menschenrechte der Kinder achten

Erstmalig in der Geschichte der Pädagogik forderte Korczak eine "Charta der Menschenrechte für Kinder". Ausgangspunkt dafür war die Erkenntnis, dass Kinder nicht erst zu Menschen werden (bzw. zu solchen erzogen werden müssen), sondern es jetzt schon sind. Korczaks "Magna Charta Libertatis" sah drei Grundrechte für Kinder vor:

 

  • Das Recht des Kindes auf seinen Tod
  • Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag
  • Das Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist

Im Zentrum der Kinderrechte stand das Recht auf die Gegenwart. Korczak bricht hier mit den herkömmlichen Erziehungsvorstellungen, welche damals auf die Zukunft der Kinder gerichtet waren.

"Das Recht des Kindes auf seinen Tod" formulierte Korczak als Arzt, der oft mit sterbenden Kindern konfrontiert worden war. Korczak sprach sich für das Recht auf einen frühen Tod aus. Er sah, wie würdevoll Kinder zu sterben wissen und war entschieden gegen ein unnützes Herausschieben des Todes. Korczak war außerdem der Ansicht, dass der Körper des Kindes nur ihm allein gehört. Das Kind hat das Recht, selbst über seinen Körper zu entscheiden und zu leben. Der Erzieher darf das Kind aus Sorge um dessen Gesundheit nicht überbehüten und es in seiner Entwicklung einschränken.

"Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag" geht davon aus, dass die Kindheit ein autonomes Stadium im "Hier und Jetzt" und nicht auf die Zukunft ausgerichtet ist. Das Kind hat ein Recht auf die Gegenwart, auf seine Symbole, Kategorien und Regeln. Korczak forderte vom Erzieher, sich nicht in das Werden des Kindes einzumischen. Der Erzieher sei lediglich für das Kind im Heute verantwortlich.

"Das Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist" erarbeitete Korczak aus der Einsicht, dass jedes Kind ein einmaliges und unvergleichliches Wesen ist. Es hat das Recht auf seine individuelle Entwicklung, auf Selbstbestimmung und Entfaltung seiner Persönlichkeit. Kinder dürften nicht zur Übernahme von Werturteilen und Programmen gezwungen werden. Ziel der Erziehung sei die Autonomie und Selbstverantwortung des Kindes Der Erzieher hat dabei die Aufgabe, die im Kinde schlummernden Kräfte zu wecken und zu fördern. Er muss Freiräume bereitstellen, in denen das Kind sich entwickeln kann. Wichtig ist hierbei, dass Korczak zwar jede Form von Autorität ablehnte, sich selbst jedoch nicht als ein Vertreter der anti- autoritären Erziehung oder des Laissez- Faire- Stils sah. Grenzen und Lernziele spielten auch bei Korczak eine große Rolle.

 

5.  Beobachten und Reflektieren

Korczak forderte vom Erzieher, ein sorgfältiger und gewissenhafter Beobachter des Kindes zu sein. Dabei sei es nicht wichtig, wie das Kind sein sollte , sondern wie es jetzt ist . Dem genauen Beobachten des Kindes folgt ein vorsichtiges Reflektieren und das Erwägen von Handlungs- möglichkeiten. Beobachtungen jeder Art sollten dabei immer schriftlich festgehalten werden.

 

6.  Phantasie- und humorvoll eine demokratische Lebenswelt schaffen

Die praktische Umsetzung der Kinderrechte und die Erfüllung der Beobachtungsaufgaben erfolgten bei Korczak stets mit viel Phantasie und Humor ("Tag des Schmutzfinken" u.a.). Er bot den Kindern Hilfen zur Selbsterziehung an, schuf Organe der Selbstregierung (Kindergericht) und demokratische Institutionen (Kinderparlament) im Kinderheim.

 

 

Literatur 

BIEWEND, Edith: "Liebe ohne Illusionen. Leben und Werk des Janusz Korczak." Heilbronn. 1974

KLEIN, Ferdinand: "Janusz Korczak. Sein Leben für Kinder". Klinkhardt. Bad Heilbrunn. 1996

KUNZ, Lothar (Hrsg.): "Einführung in die Korczak- Pädagogik". Beltz Grüne Reihe. Weinheim und Basel. 1994

KORCZAK, Janusz: "Wie man ein Kind lieben soll". Göttingen. 1967

KORCZAK, Janusz: "Von Kindern und anderen Vorbildern". GTB. Gütersloh. 2001

KORCZAK, Janusz: "Verteidigt die Kinder!". GTB. Gütersloh. 2001

KORCZAK, Janusz: "Das Recht des Kindes auf Achtung". GTB. Gütersloh. 2001

LIFTON, Betty: "Der König der Kinder. Das Leben von Janusz Korczak". Klett- Cotta. Stuttgart. 1990

RADTKE, Uwe: "Janusz Korczak als Pädagoge. Zum Recht des Kindes auf Achtung". Marburg. 2000

SCHONIG, Bruno: "Auf dem Weg zu einer eigenen Pädagogik. Annäherungen an Janusz Korczak". Schneider Verlag. Hohengehren. 1999

Weitere Literatur

 

 
  
 
© 2007 Janusz-Korczak.de